Was wächst da eigentlich?
Wenn du an unserem Feld vorbeiläufst, siehst du gerade: braune Erde, ein paar Steine, und zwischen allem kleine grüne Pflänzchen in Reihen. Unspektakulär. Aber hinter diesen Pflänzchen steckt eine Geschichte, die die Textilindustrie in Hochfranken geprägt hat.
Das hier ist Faserlein — auch Flachs genannt. Und aus Flachs wird Leinen. Leinen ist — im wahrsten Sinne — das Gegenteil von Fast Fashion. Als Druckerei, die täglich mit Textil arbeitet, interessiert uns das natürlich.
(Und übrigens auch Leinöl, oder die geschroteten Leinsamen für dein Müsli. Das alles ist dieselbe Pflanze - hier geht's aber um Faserlein. Also eine Sorte, die besonders hoch wird. Eben perfekt geeignet für eine Faser, die daraus entstehen soll.)
Was ist Flachs eigentlich?
Flachs ist eine einjährige Pflanze und eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Die Ägypter verwendeten Leinen vor über 4.000 Jahren für Mumienbinden. In Oberfranken war der Flachsanbau bis ins frühe 20. Jahrhundert eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Im Fichtelgebirge und im Landkreis Hof gab es Hunderte von Bleichen, Spinnhütten und Webereien.
Dann kam die Industrialisierung und mit ihr auch die Baumwolle — billiger, einfacher, global verfügbar — und Flachs verschwand fast vollständig.
Was kann man aus Flachs machen?
Eigentlich alles, was man sich von einer Faser wünscht:
Die Fasern aus dem Stängel werden zu Leinen versponnen — ein extrem strapazierfähiger, thermoregulierender Stoff, der mit jedem Waschen weicher wird. Leinen-Bettwäsche, Leinenhemden, Leinentaschen.
Die Samen kennst du wahrscheinlich schon: Leinsamen. Heimisches Superfood, das seit Jahrzehnten im Müsli landet. Reich an Omega-3-Fettsäuren.
Das Leinöl aus den Samen wird zum Holzschutz genutzt, in der Malerei als Bindemittel, und in der Naturkosmetik.
Es ist eine bemerkenswert vollständige Pflanze.
Wie wächst Flachs — und was passiert auf "unserem" Feld?
Hier ist der Plan für unsere Saison 2026:
| Zeitraum | Was passiert |
|---|---|
| Mai | Keimung — die Pflänzchen kämpfen sich durch den Boden |
| Juni | Schnellwuchs auf bis zu 80 cm — täglich sichtbar |
| Juli | 🌸 Blüte — das Feld leuchtet für wenige Tage himmelblau |
| August | Samenkapseln reifen, die Pflanze wird gelbbraun |
| Herbst | Ernte — wir raufen gemeinsam (du bist eingeladen!) |
| Oktober | Röste, Brechen, Hecheln — der Weg zur Faser |
Dass wir bisher "nur" zuschauen mussten verdanken wir Thomas Kraus. Er ist der Pächter des Feldes und hat den Faserlein für uns maschinell angesät. Wie unkompliziert der Lein tatsächlich ist, oder ob wir mal zum Jäten schreiten müssen, wird sich zeigen.
Was ist Röste, Brechen, Hecheln?
Damit aus dem Flachsstängel eine spinnbare Faser wird, braucht es mehrere Schritte:
Röste: Der geerntete Flachs wird für 2–4 Wochen auf dem Feld ausgebreitet (Tauröste) oder ins Wasser gelegt (Wasserröste). Dabei lösen Bakterien die Kittsubstanz zwischen Faser und Holzkern.
Brechen: Mit einem Holzgerät wird der verrottete Stängel gebrochen, um den Holzkern zu zerkleinern.
Hecheln: Die Fasern werden durch einen Kamm gezogen — grobe Anteile (Werg) fallen heraus, die feinen, langen Fasern (Lein) bleiben übrig. Die kann man dann spinnen.
Das klingt aufwendig — weil es das ist. Und genau deshalb wollen wir es ausprobieren. Mit dem Textilmuseum Helmbrechts als Kompetenzpartner, dem Bauernhofmuseum Kleinlosnitz und euch als Community.
Mach mit — alle Events sind kostenlos:
- 15. Juli: Hutzenabend mit Livia Forche, Bauernhofmuseum Kleinlosnitz — Geschichten, Anschauungsobjekte, echte Fasern anfassen
- Juli: Abendlicher Feldrundgang zur Blüte
- Herbst: Erntefest — kommt vorbei, packt mit an, genießt Gemeinschaft.
- Oktober: Workshop „Vom Halm zum Garn"
Alle Termine, Fotos und Updates in der WhatsApp-Gruppe


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